Ende Januar 2026 überschritt der Goldpreis erstmals die Marke von 5.000 US-Dollar je Feinunze – vor wenigen Jahren war das kaum vorstellbar. Doch was hat diesen Boom angetrieben? In welchem Rahmen kann Gold in der Vermögensanlage sinnvoll sein, und welche Anlageform passt zu den eigenen finanziellen Zielen? Diesen Fragen geht das Dossier auf den Grund und bietet Orientierung, die für Anlageentscheidungen relevant sein kann.
Zwischen 2022 und 2026 hat der Goldpreis einen regelrechten Boom erlebt: Ende Januar 2026 überschritt er kurzfristig erstmals die Marke von 5.000 US-Dollar je Feinunze.1 Getrieben wurde diese Entwicklung von geopolitischen Krisen, politischen Unsicherheiten und der Zinspolitik, vor allem in den USA. Hinzu kommen Inflationserwartungen, volatile Aktienmärkte und Währungsschwankungen. Zentralbanken reagieren darauf mit verstärkten Goldkäufen. Sie bauen ihre Reserven gezielt aus, um ihre Abhängigkeit von einzelnen Währungen zu verringern. In unsicheren wirtschaftlichen Zeiten bleibt Gold als Anlage gefragt. Besonders die Nachfrage nach physischem Gold ist hoch. „In turbulenten Zeiten bleibt Gold für Anlegerinnen und Anleger das, was es immer war: ein sicherer Hafen in Krisenzeiten“, fasst Marcel Pitton, Leiter Private Banking Region Montabaur/Westerburg, zusammen.
Physisches Gold wie Barren oder Münzen gelten als relativ krisensicher und können sich als Beimischung im Rahmen einer langfristigen Vermögensanlage eignen. Regelmäßige Erträge wirft diese Art des Investments jedoch nicht ab. Gewinne können sich somit nur aus einem steigenden Goldpreis ergeben. Der Einkaufspreis richtet sich nach dem täglich am Gold Bullion Market in London festgestellten Kurs. Bei Barren und Handelsmünzen – wie dem südafrikanischen Krügerrand oder dem American Eagle – zählt vor allem das Gewicht des Goldes, das in Unzen gemessen wird (31,10 Gramm = 1 Unze).
Die Beliebtheit von physischem Gold in Deutschland ist ungebrochen: Das Anlagevermögen der Deutschen in Gold ist erneut gewachsen – trotz Rekordpreisen, bei denen Anlegerinnen und Anleger hätten verkaufen und Gewinne mitnehmen können.2 Deutschland ist beim privaten Goldbesitz Weltspitze: Mehr als 9.000 Tonnen befinden sich hierzulande in privater Hand.3 Gut 40 Prozent der Goldbesitzerinnen und -besitzer lagern ihr Edelmetall zu Hause.4 Das zeigt: Das Vertrauen in den greifbaren Sachwert ist tief verankert.
Wie bei jeder Anlageform lohnt es sich, auch bei physischem Gold die praktischen Aspekte im Blick zu behalten: Lagerung und Versicherung verursachen laufende Kosten, beim Kauf fallen je nach Anbieter Aufgelder auf den Marktpreis an. Für viele Anlegerinnen und Anleger überwiegen dennoch die Vorteile – weil physisches Gold greifbar ist und von keinem Dritten abhängt. „Wer sein Vermögensportfolio mit Gold diversifizieren möchte, sollte neben persönlichen Wünschen und Zielen vor allem die eigene Risikoaffinität im Auge behalten. So stehen den Renditechancen auch volatile Kursphasen gegenüber“, erklärt Marcel Pitton.
Gold in Form von Wertpapieren hat sich als Alternative oder Ergänzung zu Münzen und Barren etabliert. Goldorientierte Wertpapiere, wie etwa ETCs oder Zertifikate, sind börsengehandelte Finanzprodukte, welche die Entwicklung des Goldpreises abbilden. Das sogenannte Performance-Gold ist im Handling und Trading einfacher als Goldbarren oder ‑münzen – die Nachfrage danach unterliegt jedoch stärkeren Schwankungen als beim physischen Gold. Gemeinsam haben Gold-Zertifikate und Gold-ETCs, dass sie Schuldverschreibungen sind; die Anlegenden haben also einen Gläubigerstatus gegenüber dem Emittierenden, sind aber nicht direkte Eigentümerinnen oder Eigentümer von Gold. Bei physisch besicherten ETCs verwahrt der Anbieter tatsächlich Goldbarren in einem Tresor. Je nach Ausgestaltung wäre sogar eine Auslieferung von physischem Gold möglich. Da Gold in US-Dollar gehandelt wird, sollten Anlegerinnen und Anleger Währungsrisiken berücksichtigen.
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal bei physisch hinterlegten Produkten: Entspricht das gelagerte Gold den LBMA-Richtlinien (LBMA = London Bullion Market Association)? Diese stehen für eine verantwortungsbewusste Beschaffung des Edelmetalls – für nachhaltige Gewinnung, die Bekämpfung von Kinderarbeit und hohe Standards gegen Geldwäsche. LBMA-zertifizierte Produkte werden weltweit von nahezu allen Sparkassen, Banken und Edelmetallhändlern akzeptiert.
In Deutschland sind ETFs, die ausschließlich Gold als Sondervermögen halten, regulatorisch nicht zugelassen – EU-Regularien schreiben für Fonds eine breite Streuung vor. Als Alternative kommen Rohstofffonds infrage, die thematisch auf Edelmetalle ausgerichtet sind.
Ob als Barren, Münzen oder Wertpapier – Gold kann in einer ausgewogenen Vermögensallokation sinnvoll sein. Gerade in unsicheren Zeiten gilt es vielen Anlegerinnen und Anlegern als sicherer Hafen.
Das hat einen Grund: Gold entwickelt sich in der Regel entgegengesetzt zu Aktien oder Anleihen. Sinken Aktienkurse, steigt der Goldpreis oft, und umgekehrt. Diese sogenannte negative Korrelation kann ein Portfolio in turbulenten Marktphasen stabilisieren. Das funktioniert jedoch nicht automatisch und nicht immer.
Gold wirft allerdings keine laufenden Erträge ab – keine Zinsen, keine Dividenden. Eine Rendite ergibt sich ausschließlich aus der Preisentwicklung, die nicht geradlinig verläuft. Gold bleibt somit ein schwankungsanfälliges Investment ohne laufende Erträge.
Wie hoch eine Beimischung in das bestehende Vermögensportfolio sein sollte, hängt letztlich immer von den persönlichen Gegebenheiten, Zielen sowie den Ertrags- und Risikoaspekten ab. Als Orientierungswert gelten fünf bis zehn Prozent des Gesamtvermögens.
Gut zu wissen:
Verkaufen Sie physisches Gold, das Sie länger als zwölf Monate gehalten haben, bleibt der erzielte Gewinn in Deutschland komplett steuerfrei. Verkaufen Sie das Gold jedoch innerhalb eines Jahres, fällt der Gewinn unter die sogenannten privaten Veräußerungsgeschäfte und muss grundsätzlich versteuert werden. Dabei gibt es jedoch eine wichtige Freigrenze: Liegt Ihr Gesamtgewinn aus allen privaten Veräußerungsgeschäften im Kalenderjahr unter 1.000 Euro, bleibt er ebenfalls steuerfrei. Sobald der Gewinn 1.000 Euro oder mehr beträgt, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig, und Verluste aus solchen Geschäften dürfen nur mit anderen Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden.
Bei Gold ETCs hängt die Besteuerung von ihrer konkreten Ausgestaltung ab. Physisch besicherte ETCs, die Ihnen einen rechtlich verbrieften Anspruch auf die physische Auslieferung von Gold gewähren, unterliegen nach Ablauf der einjährigen Haltefrist denselben steuerlichen Vorteilen wie physisches Gold – das heißt, Gewinne sind steuerfrei.
Im Gegensatz dazu stehen nicht physisch besicherte ETCs, Zertifikate oder ähnliche Produkte, bei denen Sie das Gold nur indirekt besitzen. Unabhängig von der Haltedauer gelten hier die regulären Regeln für private Veräußerungsgeschäfte, das heißt, die erzielten Gewinne werden als Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 EStG behandelt und unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Die Steuer wird dabei in der Regel bereits beim Verkauf von der Depotbank einbehalten und ist damit abgegolten.
Welche Rolle Gold in Ihrer Vermögensallokation einnehmen kann, hängt vor allem von Ihren individuellen Wünschen, Zielen sowie der persönlichen Risikoneigung ab. Ihre Private Banking-Beraterin oder Ihr Private Banking-Berater unterstützt Sie dabei, eine passende Strategie zu entwickeln.
Disclaimer:
Die vorstehenden Angaben und Darstellungen stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Informationen sind weder ein Angebot noch eine direkte oder indirekte Empfehlung für den Erwerb oder die Veräußerung von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten und ersetzen nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Sie dienen ausschließlich Ihrer Information. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Emittenten oder Wertpapiere erwähnt werden. Bei Bedarf setzen Sie sich deshalb bitte mit Ihrer zuständigen Beraterin oder Ihrem Berater in Verbindung. Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Marketingmitteilung i. S. d. WpHG. Die hier enthaltenen Aussagen geben unsere aktuelle Einschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung wieder. Diese kann sich jederzeit ohne Ankündigung ändern.
Quellen:
1: Goldpreis: https://www.gold.de/gold-allzeithoch/#TabUSD; Abruf 05/20262
2: Reisebank AG: Gold-Studie 2024: https://www.reisebank.de/magazin/goldstudie-2024; Abruf 05/2026
3: Sparkasse.de: „Goldpreis weiter auf Rekordjagd“: https://www.sparkasse.de/pk/ratgeber/finanzplanung/investieren/in-gold-investieren.html; Abruf 05/2026
4: Handelsblatt: Angaben aus der Umfrage zur Goldlagerung von Degussa 2024: https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/gold-kaufen-und-lagern-wie-anleger-goldbarren-und-muenzen-richtig-aufbewahren-03/100063237.html; Abruf 05/2026
Foto: iStockphoto / Oat_Phawat
29.06.2026
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