Eine Roboterhand vor Rotem Hintergrund hält mehrere Expertenbilder

Zwischen Hype und Ernüchterung: Was bringt KI für den regionalen Mittelstand?

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Kaum ein technologisches Thema wird derzeit so kontrovers diskutiert wie Künstliche Intelligenz.
Für die einen ist sie der große Produktivitätshebel, der Unternehmen schneller, innovativer und wettbewerbsfähiger macht. Für andere steht sie sinnbildlich für überzogene Erwartungen, eine riesige Investitionsblase oder die Sorge, dass etablierte Geschäftsmodelle und Arbeitsplätze unter Druck geraten. Gerade im Mittelstand, der traditionell langfristig denkt und investiert, ist der Blick auf KI daher oft differenzierter als in der öffentlichen Debatte und in den Beiträgen der großen Tech-Firmen.

Wir haben mit unseren Firmenkundinnen und -kunden gesprochen um zu hören, wie dieser differenzierte Umgang konkret aussieht. In unserem KI Fokus machen wir einen Streifzug durch ganz unterschiedliche Branchen der Region: vom Tonbergbau über Agrarprodukte, Energietechnik und Softwareentwicklung bis hin zur Kreativwirtschaft. Schnell wird klar, dass KI im Mittelstand kein Selbstzweck ist. Vielmehr geht es um sehr praktische Fragen: Wo kann grundsätzlich Technologie Prozesse vereinfachen? Wo hilft sie, Fachkräftemangel abzufedern? Und wo stößt sie an Grenzen, weil Erfahrung,Kreativität oder Verantwortung nicht automatisierbar sind?


Stephan Schmidt Gruppe – Spezialton zwischen Erfahrung und Daten
Das Westerwälder Familienunternehmen betreibt Tonbergbau in dritter Generation und verarbeitet bis zu 400 unterschiedliche Einzeltone zu kundenspezifischen Mischungen für die keramische Industrie. Forschung, Anwendungstechnik und eine große Datenbasis gehören seit Jahrzehnten zum Geschäftsmodell. Besonders wichtig ist die Produktentwicklung und das Finden neuer Anwendungsgebiete für den Rohstoff Ton. Dabei setzt das Unternehmen auf Software und KI, um Prozesse wie die Optimierung von Rezepturen oder die Identifizierung neuer Anwendungsfelder zu verbessern. Geschäftsführer Stephan Schmidt betrachtet KI als Weiterentwicklung bestehender Prozesse, die die Mitarbeitenden unterstützt, nicht ersetzt.

 

Zilonis – Automatisierung vor EtikettZilonis entwickelt und fertigt individuell ausgelegte Wärmetauscher und setzt seit Jahren stark auf Digitalisierung und Automatisierung. Mit einer eigenen Konfigurationssoftware können Kunden bereits Produkte in Minuten auslegen, ohne dass wochenlang für ein Angebot gerechnet werden muss. Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil in Zeiten von Fachkräftemangel. Künstliche Intelligenz spielt dabei bislang eher eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist die Erkenntnis: Nicht jede Effizienzsteigerung braucht KI. Oft liegen die größten Potenziale in durchdachter Software, klaren Algorithmen und intelligenten Prozessen.

 

Orange Monkey – Kreativität im SpannungsfeldDie Frankfurter Werbeagentur Orange Monkey arbeitet schon lange mit KI-Tools, etwa in der Text-, Bild- oder Übersetzungsproduktion. Das Ziel: schneller werden, mehr leisten, neue Formate ermöglichen. Gleichzeitig verändert KI den Markt – Budgets schrumpfen, Leistungen werden teilweise vergleichbarer. Geschäftsführerin Janice Weber sieht darin eine Chance für Effizienz, aber auch eine klare Grenze: Emotionale Nähe und die Fähigkeit zur echten Begeisterung bleiben menschliche Kernkompetenzen.

 

OmniCult – Geschwindigkeit für InnovationDer Agrarspezialist entwickelt Produkte für Pflanzenernährung und Bodengesundheit. Für das vergleichsweise kleine Unternehmen ist KI vor allem ein Beschleuniger und Möglichmacher: Die bekannten Large-Language-Modelle, kombiniert mit eigenen Daten, helfen dabei, Ideen schneller zu prüfen, Entwicklungszyklen zu verkürzen und neue Ansätze zu testen. Gerade hier zeigt sich, dass die bereits verfügbaren Basistechnologien enorme Wirkung entfalten können – ohne große eigene KI-Infrastruktur. So entstehen Chancen für den Mittelstand, auch ohne sechs- oder siebenstellige Investitionen.

 

Weltenbauer – Nüchterner Blick aus der Tech-Branche
Als Softwareunternehmen, das auf Erstellung von 3D-Welten im Bereich Gaming und für Industrieanwendungen fokussiert ist,  ist Weltenbauer technologisch nah am Thema dran. Die Einschätzung der beiden Geschäftsführer René Nold und Christian Rathemacher fällt aber zurückhaltend aus. KI sehen die beiden aktuell vor allem als hilfreiches Werkzeug, nicht als grundlegenden „Gamenchanger“. Der Eindruck: Der Hype wird sich teilweise legen, übrig bleiben praktische Anwendungen, die den Arbeitsalltag erleichtern und sicher auf Veränderungen von Berufsbildern mit sich bringen, so wie das schon immer bei technischen Innovationen war. Ob dadurch auch etablierte Geschäftsmodelle komplett wegfallen oder sich einfach ändern, kann heute noch keiner mit Sicherheit sagen. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

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